(Ettenheim). Sandra Boser MdL, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag von Baden-Württemberg und Abgeordnete für den Wahlkreis Lahr, besuchte den ambulanten Pflegedienst MARA in Ettenheim.
Im Fokus des Gesprächs mit der Geschäftsführung Martina und Rainer Tischel sowie Berthold Denzel, dem Landesbeauftragten des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste e.V (bpa.)., standen der zunehmende administrative Aufwand und der Gesetzentwurf vom Bund für das „Pflegeneuordnungsgesetz“ (PNOG).
Der ambulante Pflegedienst MARA betreut Pflegebedürftige in Ettenheim und Umgebung. Die Geschäftsführung verdeutlichte im Dialog, wie stark die tägliche Praxis inzwischen durch bürokratische Dokumentationspflichten belastet werde. „Wir möchten für die Menschen da sein. Ein immer größerer Teil der Arbeitszeit wird jedoch durch kleinteilige administrative Vorgaben gebunden, die den eigentlichen Pflegealltag erschweren und Zeit am Patienten rauben. Daher halten wir unsere Verwaltung schlank“, erklärte Martina Tischel. Sie kreidete an, dass die Abrechnungen mit vielen Krankenkassen immer schwieriger werden, da heutzutage oftmals der unmittelbare Kontakt zu einer Sachbearbeiterin oder einem Sachbearbeiter fehle.
Aber derzeit bereite vor allem Martina Tischel und ihrem Team die geplanten Änderungen des Pflegeneuordnungsgesetzes (PNOG) große Sorgen. Auch Berthold Denzel stimmte zu, dass der Regierungsentwurf vom Bund zum PNOG weitreichende Konsequenzen für die gesamte ambulante Pflegebranche hätte. Martina Tischel kritisierte, dass nach den aktuellen Plänen über das neue Sozialraumbudget Leistungen nicht mehr abgerechnet werden dürften. So soll der bisherige Entlastungsbetrag und die Verhinderungspflege in ihrer bisherigen Form wegfallen und durch neue Pauschalbudgets ersetzt werden. Gerade bei der hauswirtschaftlichen Versorgung und Betreuung gäbe es harte Einschnitte. „Die Hauswirtschaft ist für viele ältere Menschen entscheidend, um noch ein paar Jahre länger Zuhause bleiben zu können“, betonte Martina Tischel. „Es geht dabei um mehr als nur um die Wohnungsreinigung, sondern zum Beispiel auch um Einkäufe, das Zubereiten von Mahlzeiten oder um Zeit für pflegebedürftige Menschen. Dieser ganzheitliche Ansatz muss auch in Zukunft möglich bleiben“, führte die Praktikerin aus.
Sandra Boser MdL befürchte, dass der aktuelle Entwurf eine Verschiebung von ambulanter zur stationären Pflege zu Folge hätte. „Stationär kann sich kaum jemand leisten“, ergänzte Martina Tischel. Boser sagte weiter, dass der aktuell gefundene Kompromiss zur Pflegereform keine echte Strukturreform darstelle. Der Entwurf für die dringend notwendige Strukturreform werde nun noch an eine Kommission weitergegeben, deren Ergebnisse bis Frühjahr 2027 vorliegen sollen.
Im weiteren Gespräch ging es noch um die aktuelle Situation zur Gewinnung von Auszubildenden und Fachkräften. „In der Berufswelt verschieben sich die Zukunftschancen. Gerade die Pflegeberufe gewinnen immer mehr an Bedeutung. Daher finde ich es wichtig, in Schulen für diesen Beruf zu werben“, sagte Abgeordnete Boser. Martina Tischel berichtete: „Wir gehen bereits in die Schulen und stellen unser Berufsbild vor. Es zeigt sich eine gute Entwicklung bei den Praktikantinnen und Praktikanten. “
Die Abgeordnete Sandra Boser betonte abschließend die hohe Relevanz der ambulanten Pflegedienste für den gesellschaftlichen Zusammenhalt: „Pflegedienste wie MARA ermöglichen es Pflegebedürftigen, so lange wie möglich in ihrer vertrauten häuslichen Umgebung zu leben. Wir müssen genau prüfen, an welchen Stellen Dokumentationspflichten verschlankt werden können, ohne die Qualität der Versorgung zu gefährden, um den Pflegeberuf wieder attraktiver zu gestalten und Fachkräfte zu entlasten.“
Zum Abschluss des konstruktiven Austauschs waren sich alle Beteiligten einig, dass der Dialog zwischen Politik, Verbänden und den Leistungserbringern vor Ort kontinuierlich fortgesetzt werden muss, um die pflegerische Versorgung im ländlichen Raum langfristig zu sichern.
Bildmaterial:
Bild: Sandra Boser MdL (Mitte), links daneben Martina Tischel und Berthold Denzel sowie rechts außen Rainer Tischel sowie weitere Mitarbeitende des amulanten Pflegedienstes MARA.
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